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Qur'an lesen und verstehen
Al-Hugurat - Die Gemächer
Sure 49 (Verse 11-18)

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

11. O ihr, die ihr glaubt! Laßt nicht eine Schar über die andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch (lasset) Frauen über (andere) Frauen (Spotten), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebt einander keine Schimpfnamen. Schlimm ist die Bezeichnung der Sündhaftigkeit, nachdem man den Glauben (angenommen) hat, und jene die nicht umkehren - das sind die Ungerechten.

12. O ihr, die ihr glaubt! Vermeidet häufigen Argwohn; denn mancher Argwohn ist Sünde. Und spioniert nicht und führt keine üble Nachrede übereinander. Würde wohl einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen? Sicher würdet ihr es verabscheuen. So fürchtet Allah. Wahrlich, Allah ist gnädig verzeihend, barmherzig.

13. O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist allwissend, allkundig.

14. Die Wüstenaraber sagen: ‚Wir glauben.' Sprich: ‚Ihr glaubt nicht; sagt vielmehr: "Wir haben den Islam angenommen", und der Glaube ist noch nicht in eure Herzen eingedrungen.' Wenn ihr aber Allah und Seinem Gesandten gehorcht, so wird Er euch nichts von euren Werken verringern. Wahrlich, Allah ist allvergebend, barmherzig.

15. Die Gläubigen sind nur jene, die an Allah und Seinen Gesandten glauben und dann nicht (am Glauben) zweifeln und sich mit ihrem Besitz und ihrem eigenen Leben für Allahs Sache einsetzen. Das sind die Wahrhaftigen.

16. Sprich: ‚Wollt ihr Allah über eure Religion belehren, wo Allah doch alles kennt, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und Allah alle Dinge weiß?'

17. Sie halten es dir als eine Gnade vor, daß sie den Islam angenommen haben. Sprich: ‚Haltet mir eure Annahme des Islam nicht als eine Gnade vor. Vielmehr hält Allah euch Seine Gnade vor, indem Er euch zu dem Glauben geleitet hat, wenn ihr wahrhaftig seid.'

18. Wahrlich, Allah kennt das Verborgene der Himmel und der Erde; und Allah sieht alles, was ihr tut."

Umschrift
Bismi-llahi-r-rahmani-r-rahim

11. ya 'ayyuha-l-ladina 'amanu la yasvar qawmu-m-min qawmin 3asa 'an yakunu vayra-m-mminhum wa la nisa'u-m-min nisa'in 3asa 'an yakunna vayra-m-minhunna wa la talmizu 'anfusakum wa la tanabazu bi-l-'alqabi bisa-l-'ismu-l-fusuqu ba3da-l-'imani wa ma-l-lam yatub fa'ula'ika humu-c-calimun

12. ya 'ayyuha-l-ladina 'amanu-Jtanibu kaxira-m-mina-c-canni 'inna ba3wa-c-canni 'itmun wa la taJassasu wa la yagtab-b-ba3wukum ba3wan 'ayuhibu 'ahadukum 'an ya'kula lahma 'ahihi mitan fakarihtumuhu wa-t-taqwa-llaha 'inna-llaha tawabu-r-rahim.

13. ya 'ayyuha-n-nasu 'inna valaqnaku-m-min dakarin wa 'unta wa Ja3alnahum pu3uban wa qaba'ila lita3arafu 'inna 'akramakum 3inda-llahi 'atqakum 'inna-llaha 3alimun vabirun

14. qalati-l-'a3rabu 'amanna qul llam tu'minu wa lakin qulu 'aslamna wa lamma yadvuli-l-'imanu fi qulubikum wa 'in tuxi3u-llaha wa rasulahu la yaltikum-mmin '3amalikum pay'an 'inna-llaha gafuru-r-rahim

15. 'innama-l-mu'minuna-ll-wina 'amanu bi-llahi wa rasulihi tumma lam yartabu wa Jahadu bi'amwalihim wa 'anfusihim fi sabili-llah - 'Ula'ika humu-l-sadiqun

16. qul 'atu3alimuna-llaha bidinakum wallahu ya3lamu ma fi-s-samawati wa ma fI-l-'arw - wa-llahu bikulli pay'in 3alim

17. yamunnuna 3alayka 'an 'aslamu qul lla tamunnu 3alaya 'islamakum bali-llahu yamunnu 3alaykum 'an hadakum lil'Imani 'in kumtu, sadiqin.

18. 'inna-llaha ya3lamu gayba-s-samawati wa-l-'arwi wa-llahu basirum bima ta3malun

Erläuterung

Nachdem im ersten Teil dieser Sure religiöse Gebote angesprochen wurden, die für die individuelle menschliche Glückseligkeit und für den Aufbau einer gesunden gesellschaftlichen Atmosphäre unerlässlich sind und die den Menschen rechtleiten und ihm zwischen Wahrheit und Falschheit, Recht und Unrecht unterscheiden helfen, werden im zweiten und abschließenden Teil die Muslime aufgefordert, alles zu vermeiden, was Respektlosigkeit voreinander verursachen könnte, denn der Angesehenste vor Gott ist der Gottesfürchtigste.

11. O ihr, die ihr glaubt! Laßt nicht eine Schar über die andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch (lasset) Frauen über (andere) Frauen (spotten), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebt einander keine Schimpfnamen. Schlimm ist die Bezeichnung der Sündhaftigkeit, nachdem man den Glauben (angenommen) hat, und jene die nicht umkehren - das sind die Ungerechten.

Die Gläubigen werden aufgerufen, alles zu vermeiden, was ihren Bruder oder ihre Schwester im Glauben Respektlosigkeit und Schande aussetzt, denn der Gläubige muß sich nicht nur selbst vor einem solchen Verhalten schützen, sondern vor Gott auch das bereuen, was er in der Vergangenheit getan hat. Gleichermaßen ist es durchaus möglich, daß derjenige, über den man sich meint lustig machen zu können, bei Gott angesehener ist.

Mit dem Satz "...und jene, die nicht umkehren - das sind die Ungerechten" sind all jene angesprochen, die ihre Sünden nicht bereuen und diese auch nicht aufgeben.

12. O ihr, die ihr glaubt! Vermeidet häufigen Argwohn; denn mancher Argwohn ist Sünde. Und spioniert nicht und führt keine üble Nachrede übereinander. Würde wohl einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen? Sicher würdet ihr es verabscheuen. So fürchtet Allah. Wahrlich, Allah ist gnädig verzeihend, barmherzig.

Mit "cann", d. h. "Meinung", "Vermutung" ist eine schlechte Meinung, Mißtrauen und Argwohn gemeint, wie er z. B. auch in Sure an-Nur, Vers 12 zum Ausdruck kommt: "Warum dachten die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, als ihr es hörtet, nichts Gutes von ihren eigenen Leuten und sagten: ‚Das ist eine offenkundige Lüge.'?"

Mit dem Aufruf, Argwohn zu vermeiden, sollen die Gläubigen davor bewahrt werden, zu sündigen, denn wer seinen Argwohn in die Tat umsetzt auch durch Worte in Form von Verleumdung, übler Nachrede, etc. sündigt.

Mit übler Nachrede wird die Tatsache angesprochen, daß über jemanden in dessen Abwesenheit etwas gesagt wird, das diesen, wenn er es hören würde, erbosen würde. Dies schadet im weitesten Sinne auch der islamischen Gemeinschaft, denn wenn der Eine dem Anderen durch üble Nachrede und Verleumdung schadet, dann wird ihm dieser mit Ablehnung und schlimmstenfalls Haß begegnen und von der individuellen auf die gesellschaftliche Ebene übertragen, würde dies die Einheit und Solidarität der islamischen Gemeinschaft zerstören.

"Würde wohl einer von euch gerne das Fleisch seines toten Bruders essen?" verdeutlicht nochmals diesen gesamtgesellschaftlichen Aspekt der üblen Nachrede, denn die einzelnen Muslime bilden die Gemeinschaft und sie sind Brüder und Schwestern im Glauben. Es ist vom "Fleisch seines toten Bruders" die Rede, weil der von der Verleumdung betroffene Bruder keine Ahnung davon hat, und dieser Vergleich verdeutlicht die Dimension der Verleumdung und üblen Nachrede auf sehr anschauliche Art.

"So fürchtet Allah. Wahrlich, Allah ist gnädig verzeihend, barmherzig." ist auf zweierlei Weise zu verstehen: zum einen, daß die gnädige Verzeihung und Vergebung Gottes der Reue und Buße des Gläubigen vorausgeht wie z. B. auch in Sure at-Tawba, Vers 118 zum Ausdruck kommt: "... Da kehrte Er sich ihnen mit Erbarmen zu, auf daß sie sich bekehren mögen..." Und es gibt noch eine andere Vergebung nach der Buße und Reue des Gläubigen wie aus Vers 39 der Sure al-Ma'ida ersichtlich wird: "Aber wer es bereut nach seiner Freveltat und sich bessert, von dem wird Allah die Reue annehmen..."

13. O ihr Menschen, Wir haben euch aus Mann und Frau erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, auf daß ihr einander erkennen möget. Wahrlich, vor Allah ist von euch der Angesehenste, welcher der Gottesfürchtigste ist. Wahrlich, Allah ist allwissend, allkundig.

"Pa3b", d. h. "Volk" wird von einigen Kommentatoren als ein großer Volksstamm wie z. B. die Ägypter verstanden und "qabila" bezeichnet ihrer Meinung nach eine kleinere Stammesgemeinschaft. Nach Ansicht anderer Exegeten verhält es sich genau umgekehrt, d. h. "qabila" bezeichnet einen aus mehreren "pu3ub" (Volksstämmen) bestehenden größeren Stamm.

Eine dritte Gruppe von Kommentatoren versteht unter "pu3ub" nichtarabische Stämme wie z. B. Perser oder Türken, und mit "qaba'il" sind ihrer Ansicht nach die arabischen Stämme gemeint.

In diesem Vers wird zunächst die gesamte Menschheit angesprochen und nicht speziell die muslimische Gemeinschaft, denn alle Menschen verbindet eine natürliche Brüderschaft ungeachtet ihrer Rasse, Hautfarbe, usw., d. h. aus islamischer Sicht ist der einzige Maßstab für eine Überlegenheit eines Menschen gegenüber anderen die Frömmigkeit, d. h. der Gehorsam gegenüber dem Gebot Gottes.

14. Die Wüstenaraber sagen: ‚Wir glauben.' Sprich: ‚Ihr glaubt nicht; sagt vielmehr: "Wir haben den Islam angenommen", und der Glaube ist noch nicht in eure Herzen eingedrungen.' Wenn ihr aber Allah und Seinem Gesandten gehorcht, so wird Er euch nichts von euren Werken verringern. Wahrlich, Allah ist allvergebend, barmherzig.

Dieser Vers macht deutlich, daß diejenigen, die sich mündlich zum Islam bekennen, als Muslime angesehen werden, weil sie sich mit ihrer Erklärung unter den Schutz des Islam begeben haben. Aber der wahre Glauben, arabisch "iman", d. h. die innere tiefe Überzeugung unterscheidet sich von einer solchen bloßen Erklärung, d. h. die Annahme des Islam und die Ergebung in den göttlichen Willen sind die Voraussetzung für iman, Überzeugung im Herzen. In diesem Sinne muß ein Muslim nicht unbedingt ein Gläubiger (mu'min) sein, aber ein Gläubiger ist notwendigerweise ein Muslim. Der Islam ist der äußere Kreis, in dem sich der innere Kreis von iman befindet. Wenn also ein Gläubiger eine Sünde begeht, dann hat er den inneren Kreis von iman verlassen, aber er ist immer noch im Kreis des Islam. Und wenn ein Muslim seine Sünde aufrichtig bereut, dann kann er wieder in den inneren Kreis von iman gelangen.

15. Die Gläubigen sind nur jene, die an Allah und Seinen Gesandten glauben und dann nicht (am Glauben) zweifeln und sich mit ihrem Besitz und ihrem eigenen Leben für Allahs Sache einsetzen. Das sind die Wahrhaftigen.

Nun werden die Merkmale des Gläubigen aufgezählt, und aus diesem Vers geht hervor, daß derjenige, dem auch nur eines dieser Merkmale fehlt, kein Gläubiger ist. Der wahrhaftige Gläubige bemüht sich, sämtliche Pflichten zu erfüllen, gleich ob sie ihn selbst oder seinen Besitz usw. betreffen.

16. Sprich: ‚Wollt ihr Allah über eure Religion belehren, wo Allah doch alles kennt, was in den Himmeln und was auf Erden ist, und Allah alle Dinge weiß?'

17. Sie halten es dir als eine Gnade vor, daß sie den Islam angenommen haben. Sprich: ‚Haltet mir eure Annahme des Islam nicht als eine Gnade vor. Vielmehr hält Allah euch Seine Gnade vor, indem Er euch zu dem Glauben geleitet hat, wenn ihr wahrhaftig seid.'

Niemand sollte glauben, daß er mit seiner Annahme des Islam Gott in irgendeiner Weise zu etwas verpflichtet hätte, denn im Gegenteil trägt der Gläubige die göttliche Verpflichtung, denn Gott hat in seiner unendlichen Gnade und Weisheit den Menschen den Weg der Wahrheit und der Rechtleitung aufgezeigt.

18. Wahrlich, Allah kennt das Verborgene der Himmel und der Erde; und Allah sieht alles, was ihr tut."

Nun wird nochmals all das bekräftigt, was in der Sure gesagt wurde und verdeutlicht, daß nichts in den Himmeln oder auf Erden vor Allah verborgen bleibt und auch der Mensch nichts verheimlichen kann, auch nicht seine innersten Gedanken.