Die Geschichte des Raben
Die Menschen bezeichnen ihre harten Tage als rabenschwarze Tage.
Nun ist es zwar richtig, dass wir Raben schwarze Federn haben, aber ihre Schwärze ist noch lange nicht finsterer als die Schwärze der menschlichen Herzen, wenn der Satan über sie herrscht.
Ich als Rabe habe das Recht dies zu sagen, denn ich war Zeuge des ersten Mordes, der vom Menschen auf dieser Erde begangen worden ist.
Kain ermordete seinen eigenen Bruder Abel aus Neid.
Alles, was ich über die Hintergründe dieses Verbrechens weiß, ist das, dass Kain und Abel Allah ein Opfer darbringen wollten. Am vereinbarten Tag brachte Abel ein fettes Schaf,
um es Allah zu opfern, Kain brachte aber nur unreifen Weizen.
Da kam ein Zeichen vom Himmel, daß Abels Opfer angenommen wurde, nicht aber das von Kain. Da wurde Kain so neidisch und haßerfüllt, daß er seinen Bruder umbringen wollte. Als Abel sich zum Schlafen niedergelegt hatte,
nützte Kain die Gelegenheit aus und erschlug seinen Bruder mit einem großen Stein.
Wie leicht lässt sich doch der Mensch vom Satan verführen!
Die Menschen lieben zwar Allah, aber sie lehnen sich dennoch gegen ihn auf.
Den Satan hassen sie zwar, aber sie gehorchen ihm trotzdem.
Eigenartig ist doch das Verhalten der Menschen und wie groß ist trotz alledem die Güte und Barmherzigkeit Allahs! Das war ein trauriger, blutiger Tag auf der Erde und ich weiß,
dass daran in erster Linie der Satan schuld war.
Als Kain seinen Bruder Abel getötet hatte, wusste er nicht, was er mit dem Leichnam des Bruders anfangen sollte. Da sandte Allah einen Engel, der mir den Auftrag gab, etwas in die Erde einzugraben, damit Kain dadurch auf die Idee käme, seinen toten Bruder zu begraben.
Als ich das getan hatte und mich wieder in die Lüfte schwang hörte ich Kain aus vollem Schmerze klagen:
"Weh mir, dass ich selbst nicht imstande bin,
wie dieser Rabe daran zu denken die Leiche meines Bruders zu verscharren!"
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