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   Sat.04.02.2012    
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  Wer ist der Schuldige?

Wenn jemand etwas tut, das unlogisch und unvernünftig ist, vergleicht man ihn in Syrien mit Qarra Qusch. Qarra Qusch war ein ungerechter Tyrann, der die Leute mit seinen ungerechten Urteilen drangsalierte und unterdrückte. Die Menschen in Syrien haben sehr viele Geschichten von diesem Tyrannen überliefert, und eine davon wollen wir nun erzählen. Ihr werdet selbst erkennen wie wichtig es ist, daß ein Herscher wissend und klug ist, damit die Menschen kein Unrecht durch ihn erleiden.

In der Nacht, als alles in Dunkelheit versunken war, kontrollierten die Wachleute die Gassen und Straßen in Damaskus. In einer schmalen und abgelegenen Gasse hielt sich ein Dieb versteckt. Regungslos an eine Wand gekauert wartete er den Kontrollgang der Wächter ab. Dann wollte er in aller Ruhe mit seiner schändlichen "Arbeit" beginnen.

Als der müde Wachmann zu der Gasse kam, ging er bis etwa zur Mitte, sah sich mit schläfrigen Augen um und rief mit lauter Stimme: "Alles ist unter Kontrolle, und ihr könnt beruhigt schlafen." Nachdem der Wachmann sich entfernt hatte, atmete der Dieb einmal tief durch und kletterte

Bild 6 dann über die Gartenmauer eines Hauses. Er schlich sich zu einem Fenster, packte seine Utensilien aus und versuchte den Fensterrahmen mit Hammer und Meißel zu lokkern. Nach und nach lösten sich Steine aus dem Gemäuer. Der entstehende Staub drang dem Dieb in Nase und Augen. Er konnte kaum noch etwas sehen, und als er mit seiner Eisenstange mit voller Wucht gegen das Gemäuer schlug, brach plötzlich die ganze Mauer ein.

Die Mauerbrocken waren auf den Dieb gefallen und hatten sein Bein schwer verletzt. Schleunigst verschwand er in der Dunkelheit der Nacht.

Doch der Dieb war auch sehr frech, und so machte er sich am nächsten Morgen auf den Weg zum Herrscher Qarra Qusch. "Ich bin ein Dieb" sagte er, und erzählte dem Herrscher dann, was sich in der Nacht zuvor ereinet hatte. "Und nun habe ich diese Klage gegen den Besitzer dieses Hauses vorzubringen." endete er schließlich. Qarra Qusch wies einen seiner Wächter an, den Hauseigentümer zu ihm zu bringen . Als dieser kam , warf ihm der Herscher vor : "Du solltest die Mauer Deines Hauses und das Fenster stabil bauen , damit dieser Dieb sich nicht verletzt!"

Der Hausbesitzer wußte nicht wie ihm geschah und sagte erstaunt : "Das ist ja kaum zu glauben ! Heutzutage erdreisten sich Diebe sogar , ihre Opfer zu verklagen , und der Herscher verteildigt sie auch noch ! Wenn Ihr ein gerechter Herscher seid , dann müßt Ihr mir doch zugestehen , daß die Schuld nicht bei mir liegt . Der Schreiner trägt die Schuld , denn er hat kein stabiles Fenster gebaut, obwohl ich ihn gut bezahlt habe. Hätte er ein stabiles Fenster gebaut, wäre dies alles nicht geschen."

Der Herrscher wurde wütend und befahl, den Schreiner unverzüglich zu ihm zu bringen. Als der Schreiner vor ihm stand, sagte Qarra Qusch: "Der Besitzer dieses Hauses behauptet, daß Du ihm für sein Geld keine gute Arbeit geleistet hast. Und das hat schließlich dazu geführt, daß der Dieb verletzt wurde."

Der Schreiner wurde blaß. Der Vorwurf des Herrschers hatte ihm einen gehörigen Schrecken eingejagt. Er mußte schleunigst eine gute Ausrede finden, um sich selbst vor Schaden zu bewahren. Er überlegte einen kurzen Augenblick und sagte dann: "Das ist doch nicht meine Schuld! Einer Eurer Soldaten, der in Euren Diensten steht, trägt die Verantwortung dafür. Denn an dem Tag, als ich das Fenster eingebaut habe und gerade die Nägel einschlagen wollte, kam dieser Soldat mit einer riesigen roten Fahne vorbei. Der Anblick war so verwunderlich, daß ich von der Arbeit abgelenkt wurde."

Der ungerechte und törichte Herrscher überlegte nicht lange und ließ den Soldaten rufen. Dieser hörte sich ruhig die Worte des Herrschers an, und weil er es mit der Angst zu tun bekam, suchte er schnell einen Weg, wie er sich aus dieser Zwangslage befreien konnte. "Aber ich bin doch nicht verantwortlich für die rote Farbe. Den Färber, der das Tuch gefärbt hat, den müßt ihr befragen!" sagte er zum Herrscher.

Der Richter ließ den Färber rufen. Wütend schrie er den verängstigten Mann an: "Du bist schuldig! Weist Du nicht, was Du getan hast? Warum hast Du diesen Stoff mit rot gefärbt und damit den Schreiner von seiner Arbeit abgelenkt? Aus diesem Grund hat er kein stabiles Fenster gebaut und deshalb wurde des Bein des Diebes gebrochen. Was hast Du zu Deiner Verteidigung vorzubringen?"

Der Färber war ein einfacher Mensch und sprach: "Aber Euer Wesir hat mir doch den Auftrag gegeben. Und er wies mich an, das Tuch so rot zu färben, daß es richtig auffällt. Fragt Euren Wesir, der kann bestätigen, was ich gesagt habe."

"Holt den Wesir" schrie Qarra Qusch. "Ich will nun endlich den Schuldigen finden. Er soll eine harte Strafe bekommen, die er niemals in seinem Leben vergessen wird. 30 Jahre soll er ins Gefängnis gehen!"

Der Wesir hörte sich ebenfalls die Beschuldigungen des Herrschers an "Also, warum hast Du dem Färber diesen unsinnigen Auftrag gegeben?" wollte Qarra Qusch schließlich wissen. "Ihr wißt doch, daß ich nie etwas anderes tue, als auf Euren Befehl hin zu handeln" sprach der Wesir. "Aber gewiß doch, das wäre ja noch schöner, wenn jemand außer mir Befehle gäbe" antwortete Qarra Qusch. "Nun, dann habt Ihr endlich den wahren Schuldigen gefunden!" erklärte der Wesir.