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   Thu.09.09.2010    
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  Ein besonderer Wunsch

So weit das Auge reichte, war nur Wüste zu sehen. Der Reiter trank einen Schluck Wasser, doch der heiße Wind und die glühende Sonne ließen seinen Hals schnell wieder austrocknen. Er hatte Mühe, sich auf dem Rücken des Kamels zu halten.

Doch plötzlich meinte er, In der Ferne etwas zu erkennen. Oweis rieb sieh ungläubig die Augen. Hatte er etwa schon Halluzinationen? Oder lag da wirklich eine Oase vor ihm, mit Bäumen, die ihm ein wenig Schatten spenden konnten? Sein Herz schlug vor Aufregung schneller.

Tatsächlich er kam zu einer kleinen Oase, mit einer Wasserquelle und Dattelbäumen. Oweis lud das Gepäck ab und versorgte das Kamel. Dann erfrischte auch er sieh, wusch sich und verrichtete sein Gebet. Anschließend aß er etwas und streckte sieh unter einem Baum aus, um ein wenig auszuruhen.

"Bis jetzt habe ich zwei Pausen eingelegt. Wenn ich meinen Weg fortsetze und höchstens noch eine Pause mache, dann kann ich morgen oder spätestens übermorgen in Medina sein!" dachte er bei sieh. Er schaute zum Himmel, und die Worte seiner Mutter kamen ihm in den Sinnt "Mein Junge, Du weißt, dass ich außer Dir niemanden habe, und Du willst unbedingt den Propheten sehen. Ich bin damit einverstanden, aber Du musst mir versprechen, dass Du nach einer Woche zurück sein wirst!" Oweis war eingeschlafen. Er träumte, dass er auf dem Heimweg war; und als er das Zelt seiner Mutter sah, bemerkte er die vielen Leute und die Aufregung. Als er endlich dort angelangt war, sagte ein alter Mann zu ihm: "Ist es wahr, dass Du Deine Mutter in ihrem hohen Alter so lange allein gelassen hast? Zwei Tage lang stand sie ununterbrochen vor ihrem Zelt und hielt Ausschau nach Dir. Und es ist noch keine Stunde her, daß sie vor Aufregung gestorben ist. Meinst Du vielleicht, dem Propheten gefällt, was Du getan hast?" Oweis wachte schweißgebadet auf. Er packte schnell seine Sachen zusammen und machte sieh auf den Weg. Bald war er von der Sonne wieder so ausgetrocknet, dass er trinken wollte - doch seine Wasserflasche war leer! Das Wasser musste ausgelaufen sein, als er die Flasche beim Schlafen unter den Kopf gelegt hatte. Bis zur nächsten Oase war es noch ein weiter Weg. Aber umkehren wollte er auch nicht, denn er wollte nicht unnötig Zeit verlieren. So setzte er seinen Weg fort, in der Hoffnung, dass er sieh nach Sonnenuntergang erholen würde.

Es wurde Abend. Nur mit Mühe konnte er sich noch auf dem Kamel halten, und er musste einen Platz zum Übernachten finden. Er kam zu einem Wadi: doch es schien unbewohnt zu sein. Auf sein Rufen kam keine Antwort. Er sah einen Brunnen und rief freudig: "Gott sei gelobt! Du hast mich gerettet!" Er ließ den Eimer in den Brunnen hinab, und hörte einen blechernen Ton. - Der Brunnen war vertrocknet! Es gab kein Wasser! Als er sieh von seinem ersten Schreck erholt hatte, verrichtete Oweis sein Gebet, aß ein wenig Brot und Datteln und legte sich schlafen. Doch vor Durst konnte er kein Auge zutun.

Es war schon einige Stunden her, seit er von dem vertrockneten Wadt aufgebrochen war. Die Sonne brannte so heiß und der Durst quälte Kamel und Reiter so sehr, daß sie kaum noch Kraft für den nächsten Schritt hatten. Bald konnte Oweis nicht einmal mehr seine Augen offenhalten.

"Bruder! Woher kommst Du?" "Vielleicht ist er tot?!"

"Nein, er atmet noch ganz schwach."

"Gieß' ihm ein wenig Wasser über das Gesicht. Vielleicht kommt er dann wieder zu sich!"

Oweis hörte die Stimmen, doch er hatte nicht die Kraft, zu sprechen. Das Wasser rann ihm über das Gesicht und er hatte Mühe, es zu schlucken. Langsam kehrte seine Kraft zurück. Er öffnete seine Augen und konnte schwach zwei Gestalten erkennen.

"Wir haben Dein Kamel gefunden und dachten, dass der Reiter unterwegs irgendwo heruntergefallen sein musste. Also haben wir gesucht, bis wir Dich hier gefunden haben." sagte einer der Männer.

"Ich weiß nicht, wie ich euch jemals danken soll" sagte Oweis. "Wenn ihr nicht gewesen wäret, wäre ich sicherlich gestorben!"

"Du sollst Gott danken" sagte der andere Mann "Wir gehören zu einer Karawane, die gerade aus Medina kommt. Und wir beide sollten den Weg erkunden."

"Wie viele Tage sind es noch bis nach Medina?" wollte Oweis wissen.

"Ungefähr zweieinhalb Tage" antworteten die beiden Männer wie aus einem Mund.

Oweis kamen die Tränen. Die Männer wunderten sieh, und so erzählte ihnen Oweis seine Geschichte und dass er durch den Wassermangel einen Tag verloren hatte.

Den Männern tat Oweis leid, und sie sagten: "Bleibe heute Abend bei unserer Karawane. Du kannst Dich ausruhen und morgen dann erholt viel schneller vorwärtskommen. Dann erreichst Du Medina vielleicht schon am vierten Tag und kannst einen halben Tag dort bleiben und den Propheten sehen."

Oweis willigte ein, und am fünften Tag, als die Sonne noch nicht ganz aufgegangen war, konnte er in der Ferne die Häuser der Stadt Medina erkennen. Die Leute wiesen dem fremden Mann den Weg zur Moschee des Propheten, die sieh genau neben seinem Haus befand. Oweis sah die Moschee und meinte, seine Herz müsse zerspringen.

Er betrat die Moschee und sah nur zwei kleine Türen. Er hatte gehört, dass die rechte Tür zum Haus des Propheten (F.s.m.i.) und die linke Tür zum Haus seiner Tochter Fatima (a.s.) führte. Er ging zur rechten Tür, brachte seine Kleidung in Ordnung und klopfte an. Obwohl er gehört hatte, wie der Prophet aussah, konnte er ihn sieh doch nicht richtig vorstellen, und er wußte auch gar nicht, was er sagen sollte!

Ein junger Mann öffnete die Tür. "Ist hier das Haus des Propheten" fragte er.

"Friede sei mit Dir, Bruder! Ja, das ist richtig. Möchtest Du zum Propheten?"

"Ja, ich möchte ihn sehen. Ich komme aus Qaran."

"Also hast Du ihn gar nicht gesehen?"

"Nein, bis jetzt habe ich nur von seinem Charakter und seinem Verhalten erzählt bekommen."

"Nein, ich meinte ob Du ihn nicht gesehen hast, als er nach dem Morgengebet Medina verlassen hat?"

Die Beine von Oweis schienen ihren Dienst zu versagen. "Aber ich bin aus Qaran gekommen. Vier Tage war ich unterwegs..."

"Sei nicht traurig, Bruder. Am Nachmittag oder bis zum Abend wird der Prophet zurückkommen. Dann kannst Du ihn treffen."

Doch Oweis hörte die Worte nicht mehr. Langsam sank er zu Boden. Der junge Mann brachte ihn in das Haus und sagte ihm, er solle sieh ausruhen. Oweis war enttäuscht. Alle seine Mühen waren vergebens gewesen!

Der junge Mann brachte ihm eine Schale Milch. Oweis erzählte ihm von seiner mühseligen Reise und dem Versprechen.

"Dann bleib' bis zum Abend. Vielleicht kommt der Prophet auch schon früher, und dann kannst Du ihn sehen" sprach Said, der junge Mann.

"Nein, ich habe mein Versprechen gegeben, und wenn ich es halten will, muß ich nach dem Mittagsgebet Medina wieder verlassen." antwortete Oweis.

An diesem Vormittag zeigte ihm Said ganz Medina, und Oweis konnte mit vielen Gefährten des Propheten sprechen, deren Namen er nur vom Hörensagen kannte. Wie er es geplant hatte, verließ er Medina nach dem Mittagsgebet. Er haderte mit sich selbst warum hatte er seiner Mutter dieses Versprechen gegeben? Und warum hatte er unterwegs so viel Zeit verloren?

Am Abend des 7. Tages erreichte Oweis Qaran. "Da bist Du endlich. Hast Du den Propheten gesehen? Hast Du ihm meine Grüße bestellt?" wollte die Mutter wissen.

"Nein, leider nicht. Er war nicht in Medina, und weil ich Dir mein Versprechen gegeben habe, in sieben Tagen zurück zu sein, konnte ich nicht auf seine Rückkehr warten." Seine Mutter wurde sehr traurig, und deshalb fügte Oweis schnell hinzu: "Das nächste Mal werde ich ihn aber sicher sehen!"

Zwei Wochen waren vergangen seit Oweis aus Medina zurückgekehrt war, doch noch immer war er traurig, weil sein größter Wunsch unerfüllt geblieben war.

Eines Tages war er wie gewöhnlich bei seiner Schafherde, als er von weitem eine Karawane sah. Schnell ritt er zur Karawane und fragte: "Woher kommt ihr?"

"Aus Medina" kam die Antwort.

"Was gibt es Neues?" wollte Owels wissen. "Nichts Besonderes", antworte ein Mann. "Aber wir haben eine Nachricht für einen jungen Mann namens Oweis. Der muss hier irgendwo wohnen. Kennst Du ihn vielleicht?" "Ja! Ja, das bin ich!" entgegnete Owels überrascht.

"Der Prophet lässt Dieb grüßen." berichtete daraufhin der Mann. "An dem Tag, an dem Du Medina verlassen hast, ist er am Nachmittag zurückgekommen. Und ohne dass jemand etwas zu ihm gesagt hätte, bemerkte er den fremden Geruch in seinem Zimmer und fragte, wer dagewesen sei. Und als Said ihm von Deiner Reise und Deinem Versprechen erzählt hatte, entgegnete er 'Ich verfolge den Geruch des Paradieses bis nach Qaran."'

Oweis verabschiedete sich und kehrte voller Freude nach Hause zurück. Aufgeregt erzählte er seiner Mutter, was geschehen war. Allerdings ist es ihm niemals gelungen, den Propheten einmal selbst zu sehen.