Die Ansprache des Propheten (s.a.w.) in Ghadir-e Chum
Eine der vielen Aufgaben von Prophet Muhammad (s.a.w.) war es, die verschiedenen Stämme auf der Arabischen Halbinsel zum Islam einzuladen und sie zu vereinen. Seine Aufgabe war mit sehr vielen Schwierigkeiten verbunden, denn die Ungläubigen und Götzendiener ersannen immer wieder neue Gemeinheiten. Der Prophet (s.a.w.) und die ersten Muslime mussten ihre Heimatstadt Mekka verlassen. Sie fanden Hilfe und Unterstützung in Medina. Dort bildete der Prophet (s.a.w.) den ersten islamischen Staat, in dem die von Gott offenbarten Vorschriften und Verbote in die Tat umgesetzt wurden. Die Gläubigen fühlten sieh miteinander verbunden,
und Jeder war um das Wohlergehen der anderen besorgt.
Zehn Jahre nach dieser Auswanderung (arabisch: Hidschra) von Mekka nach Medina, beschloss der Prophet (s.a.w.), die Pilgerfahrt nach Mekka zu machen. Diese Pilgerfahrt ist auch unter dem Namen "Abschiedspilgerfahrt" bekannt,
denn schon bald nach der Rückkehr nach Medina wurde der Prophet (s.a.w.) todkrank.
Auf der Rückreise von Mekka nach Medina gab es jedoch ein Ereignis von sehr großer Bedeutung. Inmitten der Wüste machte die Karawane der Pilger halt an einer Stelle namens Ghadir-e Chum. Dort sprach der Prophet (s.a.w.) zu den Muslimen. Er ahnte, dass er diese Welt bald verlassen würde, und deshalb wollte er das Wichtigste regeln. Natürlich war er um die Sicherheit des Jungen islamischen Staates besorgt. Was würde geschehen, wenn er, der Gesandte Allahs (s.a.w.), den Muslimen nicht mehr mit Rat und Tat zur Seite stehen könnte? Würden die Muslime ihre Einheit und Einigkeit bewahren oder würden sie in Streitigkeiten und Zwietracht verfallen? Würden auch die alten Stammesfehden wieder losbrechen? Wer könnte ihre Streitigkeiten dann schlichten?
Auf wen würden die Muslime hören? Wer kannte den Islam so gut wie er selbst?
Der Prophet (s.a.w.) wusste, dass er einen besonderen Menschen mit der Aufgabe betrauen musste, nach ihm die Führung der muslimischen Gemeinschaft zu übernehmen. Ein solcher Mensch musste nicht nur alles über den Islam wissen, sondern er musste auch die Fähigkeit haben, gerechte Entscheidungen zu treffen. Für den Propheten (s.a.w.) gab es nur einen Menschen, dem er diese Aufgabe anvertrauen wollte: Ali ihn Abi Talib, der schon als kleiner Junge in sein Haus kam und ihm seither immer und bei allen Schwierigkeiten zur Seite stand. All hatte als erster Mensch den Islam angenommen. Damals war er gerade zehn Jahre alt.
Später heiratete er die Tochter des Propheten (s.a.w.), Fatima az-Zahra (a.s.).
In Ghadir-e Chum waren die Pilger zum Großteil noch versammelt. Doch danach würden sich ihre Wege trennen und Jeder würde in seine Heimat zurückkehren. Deshalb nutzte Prophet Muhammad (s.a.w.) diese Gelegenheit, um den Muslimen zu zeigen, wie es nach seinem Tod weitergehen sollte. Er sprach:
"Alle Lobpreisung gehört Allah allein. Wir suchen Seine Hilfe und glauben an Ihn und vertrauen auf Ihn. Wir suchen Zuflucht bei Ihm vor unseren Missetaten und ungehörigen Werken. Er ist der Herr, außer Dem es keine Rechtleitung gibt. Es gibt niemanden, der denjenigen, den Er leitet, irreführen kann. Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Allah und Muhammad ist Sein Diener und Sein Gesandter
Ja, o ihr Menschen.
Ich werde bald die göttliche Einladung annehmen und von euch gehen. Ich trage Verantwortung, und auch ihr tragt Verantwortung. Was ist eure Meinung über mich?" Die Menschen antworteten laut: "Wir bezeugen, dass Du Deine Aufgabe erfüllt hast und Dich dafür bemüht hast. Möge Allah Dich dafür belohnen!" Der Prophet (s.a.w.) fuhr fort: "Bezeugt ihr, dass der Herr der Welten einer ist und dass Muhammad Sein Diener und Sein Gesandter ist und dass es keinen Zweifel gibt über das Leben in der nächsten Welt?" Alle riefen: "Das ist richtig, und wir bezeugenes!"
Dann sprach der Prophet (s.a.w.): "Ich hinterlasse euch zwei wertvolle Dinge, und es muss sich zeigen, wie ihr mit diesen zwei Nachlässen von mir umgeht."
In diesem Moment stand jemand auf und fragte mit lauter Stimme. "Was meinst Du mit diesen zwei herausragenden Dingen?"
Darauf gab der Prophet (s.a.w.) zur Antwort:
"Das eine ist das Buch Gottes, und das andere ist meine Ahl-ul-Bait (d.h. Nachkommenschaft). Allah hat mich wissen lassen, dass diese beiden denkwürdigen Dinge nicht voneinander getrennt werden."
Er nahm All beim Arm und streckte ihn in die Höhe und rief: "O ihr Leute, ich frage euch: Wer ist unter euch Gläubigen der am meisten Geschätzte?"
Die Menschen riefen: "Gott und Sein Gesandter wissen es besser!"
Dann sagte der Prophet (s.a.w.): "Wahrlich, Gott ist mein Herr, und ich bin der Herr der Gläubigen. Wessen Herr ich bin, dessen Herr ist All." Diesen Satz wiederholte er dreimal, denn er wollte ganz sicher sein, dass es keine Missverständnisse gab. "O Allah! Liebe jene, die All lieben und sei denen Feind, die ihm feind sind. O Allah! Hilf Jenen, die ihm beistehen und erniedrige Jene, die sich ihm widersetzen."
Der Prophet (s.a.w.) gab den Menschen den Auftrag, diese Botschaft an all diejenigen weiterzugeben, die nicht anwesend waren.
Dann wurde dem Propheten der letzte Qur'anvers offenbart: "Heute habe Ich euren Glauben für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam zum Bekenntnis erwählt!" (Sure 5, Vers 3)
Abu Bakr und Omar gehörten zu den ersten Muslimen, die zu Ali eilten und ihm gratulierten, und auch die anderen Muslime überhäuften Ali mit ihren Glückwünschen.
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