Arm und Reich
Es war ein ganz gewöhnliches Treffen. Um den Propheten (F.s.m.i.) hatten sich seine Gefährten versammelt,
um von den weisen und rechtleitenden Worten des Propheten (F.s.m.i.) zu profitieren.
Plötzlich gesellte sich ein armer Mann zu ihnen. Seine Kleidung war alt und abgetragen. Er grüßte die Versammlung: "Friede sei mit euch!" und setzte sich an einen freien Platz. Der Prophet (F.s.m.i.) hatte gelehrt, dass alle Muslime Brüder seien und ein Muslim in einer
Versammlung den Platz einnehmen sollte, der gerade frei sein, ungeachtet von Status oder Rang.
Nun kam es, dass der arme Mann sich genau neben einem sehr reichen niedergelassen hatte. Der Reiche fühlte sich gestört und raffte pikiert sein Gewand zusammen, so dass der arme Mann sie nur nicht berühren konnte! Dem Propheten (F.s.m.i.)
war dies nicht entgangen, und so richtete er sein Wort an den Reichen:
"Hast Du vielleicht Angst, dass seine Armut dir schaden könnte?"
"Aber nein, Gesandter Allahs!" entgegnete der Reiche.
"Dann warst du vielleicht besorgt, dass ein
Teil deines Reichtums zu ihm wechseln könnte?"
"Auch das nicht, o Gesandter Allahs."
"Oder dachtest du vielleicht, deine Kleider könnten schmutzig werden, wenn er sie berührt?"
"Nein, o Gesandter Allahs."
"Warum hast du dann deine Kleidung zusammengerafft
und bist von ihm weggerückt?" wollte der Prophet (F.s.m.i.) wissen.
Der reiche Mann sagte. "Ich gebe zu das war wirklich ein höchst unerwünschtes Verhalten. Es war ein Fehler, und ich gestehe meine Schuld ein. Nun, um es Wiedergutzumachen, werde ich die Hälfte meines
Besitzes diesem Bruder im Islam geben, so lass mir vergeben wird."
Doch daraufhin stand der arme Mann auf und sprach:
"O Gesandter Allahs! Ich nehme dieses Angebot nicht an!"
Die Anwesenden waren überrascht.
Sie hielten den armen Mann für einen Narren. Doch dieser erklärte:
"Gesandter Allahs! Ich weigere mich, dieses Angebot anzunehmen, weil ich fürchte, dass ich dann ebenso arrogant werde und meine muslimischen Geschwister ebenso schlecht behandle wie er es tat."
|