Prophet Salih und die Thamud
Auf dem Weg von Mekka nach Damaskus triffst du am Rande der berühmten Handelsstraße, die den Hidschaz, die Arabische Halbinsel durchzieht ,
auf eine sehr alte Ruinenstadt, von der uns der Heilige Quran zu berichten weiß .
Vor vielen Jahre lebte hier ein mächtiges Volk der Thamud .
Sie waren Nachkommen der Familie Noahs . Die Erde in diesem Land war damals sehr fruchtbar. Es gab wunder- schöne Gärten und frisches Quellwasser . Früchte und Korn wuchsen in Hülle und Fülle . Die Palmen bogen sich unter der Last der süßen Datteln . Auf saftigen Weidefeldern grasten Schaf - und Ziegenherden .
Reiche Kaufleute boten ihre Waren aus fernen Ländern feil .
Geschickte Handwerker der Thamud hatten prächtige Wohnungen in das Felsengestein gemeißelt und mit schönen Ornamenten und Inschriften verziert . Steingepflasterte Wege führten zu einem großen Tempel in der Stadtmitte . Dort waren unter einem hohen Turm Götzen aufgestellt ,
die halb wie Tier und halb wie Mensch aussahen .
Seit der Zeit des Propheten Noahs waren viele Jahre vergangen . Der Reichtum hatte das Volk der Thamud den Glauben an den einen Gott vergessen lassen . Stattdessen beteten sie Götzen an und brachten ihnen Opfer dar . Doch im Grunde begehrten sie nur weltliche Dinge : noch größere Häuser ,
noch reicher gedecktere Tische , noch mehr Bequemlichkeiten und Bedienstete .
Bedienstete . Die reichen Herren hatten eigene Gesetze gemacht und das Land zu ihrem Eigentum erklärt . Niemand durfte aus den Quellen trinken oder seine Tiere auf die Weiden schicken , wenn er nicht dafür bezahlte. Auf diese Weise
erpreßten die Herrscher von den Armen immer mehr Geld und häuften es in ihren Palästen auf .
Zu diesem Volk schickte Allah Seinen Gesandten Salih , der nie einen Götzentempel gebetet hatte . Unter seinem Volk war er ein angesehener Mann . Niemand hatte je Böses von ihm erfahren . Er hatte großes Wissen und war ein sehr weiser Mann.
Deshalb fragten ihn viele Leute bei persönlichen Problemen um Rat.
Salih rief Gott um Hilfe !
Salih konnte die Ungerechtigkeiten in seinem Land nicht ertragen . Er war überzeugt , daß der Götzendienst abgeschafft werden mußte.
Das Gesetz Gottes und die Gerechtigkeit sollten wieder im Lande der Thamud herrschen .
So ging Salih unter sein Volk und erzählte ihnen von Allah :"Es gibt keinen Gott außer Allah ,betet nur allein zu Ihm und laßt die Götzenfiguren , die keine Macht haben . Erinnert euch , daß es Allah war,
der euch aus Erde erschaffen hat und zu Dem ihr zurückkehren werdet.
Dieses Land hat Er euch nur als Bleibe für die Zeit gegeben , solange ihr auf der Erde seid . Seid deshalb nicht so gierig und hochmütig . Ihr seid nicht die Herren auf dieser Welt . Warum nutzt ihr die Armen aus? Seid bescheiden und gerecht und denkt daran,
daß Allah der einzige und wahre Herr aller Geschöpfe ist."
Die Reichen seines Volkes aber lachten Salih nur aus . Vielen Armen jedoch gaben Salihs Worte Kraft und neuen Mut . Sie hatten wieder zum Glauben gefunden . Er hatte sie ihrem eigentlichen Herrn irgendwie nahe - gebracht . Die Armen fühlten sich befreit von ihrer Angst und ihren Fesseln. Nun brauchten sie die Herrscher nicht mehr zu fürchten . Salih hatten ihnen ,
die stets nur verachtet wurden , wieder Hoffnung und Selbst - vertrauen gegeben .
Immer mehr Menschen kamen , um salihs Worten zu hören . Die Reichen erkannten die Gefahr, die durch Salih auf sie zukam .
Bald würden sie auf die Menschen keine Macht mehr ausüben können .
"Du bist nur ein Mensch wie wir", sprachen die Reichen zu Salih . "Du hast keine Gärten und kein großes Haus. Wenn es deinen Gott wirklich geben sollte , warum sollte er gerade dich zum Propheten auserwählt haben . Wir werden es nicht zulassen , daß du den Glauben unserer Väter zerstörst ." Damit die Reichen allen beweisen konnten , daß sie Recht hatten , forderten sie Salih auf , einen Beweis zu bringen .Da sagten sie zu ihm: "Wenn dein Gott so allmächtig ist,
so bitte ihn doch , aus dem Felsen eine Kamelstatue herbei - zuzaubern ."
Am Abend hatte sich das ganze Volk der Thamud bei dem großen Felsen versammelt . Die hochmütigen Reichen freuten sich .
Sie waren fest überzeugt , Salih nun endlich das Handwerk legen zu können .
Prophet Salih war mit einer kleinen Schar von Gläubigen gekommen und ging auf den Felsen zu. Er berührte den Felsen und sprach ein Gebet . Und wirklich , nach einiger Zeit tat sich ein Spalt im Felsen auf und wie auf und wie durch ein Wunder trat eine überaus schöne , große Kamelstatue hervor . Die Leute waren noch mehr erstaunt , als die Statue einige Augenblicke später ein kleines Kamel zur Welt brachte. Salih sagte zu den Leuten : "Diese Kamelstatue ist ein Zeichen für euch . Sie gehört euch aber nicht , ebenso wie das Land, in dem ihr wohnt . Denn alles gehört Allah . Laßt sie daher ungehindert aus den Quellen trinken und auf den Wiesen weiden .
Rührt sie nicht an , denn sonst wird Allah euch strafen ."
Den Reichen unter den Thamud waren die Worte im Halse steckengeblieben . Sie hatten in der Tat eine große Niederlage erlitten . Aber an Allah wollten sie trotzdem nicht glauben . Zu sehr hatte der Neid und das Böse ihre Herzen bedeckt , daß das Licht Gottes sie nicht erreichen konnte . Einer von ihnen rief lauthals :"Salih ist bestimmt ein Hexer , der euch erschrecken will .
Wenn wir die Kamelstatue töten , wird wahrscheinlich gar nichts passieren ."
Tatsächlich beschlossen einige Leute der Thamud , die Kamelstute heimlich zu töten . Sie fürchteten , daß durch dieses Wunderzeichen noch mehr Menschen auf Salih hören würden . Und dann könnten die Armen ja auf die Idee kommen , ihr Recht auf kostenloses Wasser und freien Weideplatz für ihr Vieh zu verlangen . In aller Heimlichkeit schnitten sie dem Tier die Sehnen an den Füßen durch ,
so daß es sich nicht mehr be - wegen konnte und elendig verhungern mußte .
Doch bald wurde die Untat bekannt . Die Reichen freuten sich . Sie glaubten , sie hätten dem Volk nun be - wiesen , daß Salih kein Gesandter Gottes gewesen sei.
Schon feierten sie ihren Sieg über den Propheten , wie sie glaubten .
Die gottesfürchtigen Anhänger Salihs aber wußten , daß Allah diese Tat nicht ungestraft lassen würde. Salih sprach zu den Reichen :"Feiert nur drei Tage lang in euren schönen Häusern . Danach wird es so sein, als hättet ihr nie darin gewohnt ." Darauf verließ er mit seinen Gefährten das Land .
Sie wanderten in ein Land aus , wo es keine Unterdrückung und keinen Götzendienst gab .
Nach drei Tagen erschütterte tatsächlich ein so heftiges Erdbeben das Land , daß alle Häuser der Thamud zerstört wurden . Die Götzendiener starben , jeder bei dem , was er gerade getan hatte . Bis heute kann man die Trümmer der Stadt der Thamud in der Wüste sehen .
Denn kein Volk hat jemals ihre Stadt wieder auf - gebaut .
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