Muhammads Leben 1
Der Boykott
Mohammad hatte den Mut nicht verloren. Noch immer ging er unter die Leute in Mekka und erzählte ihnen von der Religion Gottes, Die Stammesführer bangten darum,
Mohammad würde ihren hohen Plat?; in der Gemeinde in Frage stellen.
Die Reichen und Mächtigen in der Stadt hatten Angst, ihre Untertanen würden ihnen nicht mehr wie früher gehorchen. Denn schließlich predigte ihnen Mohammad, nur Allah zu ehren und zu dienen. 'Allah ist es. Der die Erde und den Himmel und die Menschen erschaffen hat. Nach Seinem Plan sind alle Menschen gleich. Niemand darf sich den anderen zum Untertan machen, der Starke nicht den Schwachen unterdrücken und der Reiche nicht den Armen ausbeuten.' Glaubten die Menschen einmal an die Allmacht Gottes, so fürchteten die ungerechten Stammesführer, würden sie sich von ihrer Herrschaft befreien wollen.
Deshalb gaben sie sich viel Mühe, Mohammad vor den Augen ihrer Mitmenschen schlecht zu machen.
Sie verbreiteten Lügen über ihn und seine Anhänger. Sie nannten den Gesandten Gottes einen bösen Zauberer, vor dem man sich in Acht nehmen sollte. Aber die Menschen ließen sich nicht so einfach in die Irre führen. Immer mehr scharte sich das einfache Volk um ihn, wenn er zu predigen begann. Seine Worte schenkten ihm neuen Lebensmut. Waren die an Armut und Hunger leidenden Menschen daran gewohnt, gesenkten Haupts ihr elendes Schicksal hinzunehmen,
verspürten sie plötzlich neue Kräfte in sich, ihr Lehen selbst in die Hand zu nehmen.
Die Mächtigen im Lande mußten etwas unternehmen. Offensichtlich hatte es nichts genützt, das Volk gegen Mohammad aufzuhetzen. Ein neuer Plan mußte geschmiedet werden: Die Qureisch entschieden sich für einen Boykott. Mohammad sollte mit den Menschen erst gar nicht zusammenkommen können. Dazu erließen sie eine Art Gesetz, das besagte, daß jeglicher Kontakt zu Mohammad und seiner ganzen Familie verboten sei. Dieser Erlaß wurde überall laut verkündet und dann in der Kaaba zusammen mit Götzenbildern ,
prunkvollen Opfergegenständen und wichtigen Dokumenten aufbewahrt.
Mohammad und die ganze Familie der Haschim wurden indes in ein trockenes, unfruchtbares Tal außerhalb von Mekka gebracht. Das Tal war an drei Seiten von hohen Bergen umgeben, auf denen Tag und Nacht Soldaten der Qureisch postierten und aufpaßten, daß keiner das Tal verließ. Schwere Zeiten standen den Muslimen bevor. Das Leben in der kargen Umgebung in der glühenden Sonne am Tage und den kalten Nächten machte besonders den Kindern und den älteren unter ihnen schwer zu schaffen. Weitweg von Zuhause, von ihren Feldern und Viehherden gingen ihnen bald die letzten mitgebrachten Nahrungsmittel aus. Hunger und Krankheit machten sich breit.
Trotz dieser Strapazen ließ der Wille der Muslime nicht nach. Ganz im Gegenteil:
Einmal im Jahr war den Arabern nach altem Brauch jede Art von Kriegshandlung untersagt. Dann nämlich, wenn zu Ehren der Götter für einige Wochen ein großer Markt in der Stadt Okaz abgehalten und Feste gefeiert wurden. Notgedrungen mußten die Qureisch auch Mohammad und seiner Familie gestatten, das Lager zu verlassen. Zu ihrem Erstaunen nutzte der Gesandte Mohammad diese Tage, um in Okaz mit den Menschen zusammenzukommen, die aus den verschiedensten Teilen der Halbinsel angereist waren. Wieder versammelte sich das Volk um ihn und hörte ihm zu, wenn er zu ihnen über die Liebe und Allmacht Gottes sprach.
Es war, als wenn es all die Not im Lager gar nicht gegeben hätte.
Abu Lahab, der den Islam von Anfang an bekämpfte, folgte Mohammad auf den Fersen. Er mischte sich ebenso unter das Volk und versuchte, die Menschen davon abzuhalten, Mohammad zuzuhören. Es sollte ihm aber nicht gelingen. Vielmehr machte er die Leute auf Mohammad aufmerksam, Sie wollten wissen, was es denn mit ihm auf sich hatte. Und hatten sie einmal die Nähe des Gesandten gespurt, konnten sie sich seiner Ausstrahlung nicht entziehen. Nun mußte Abu Lahab eingestehen, daß auch der Boykott nichts eingebracht hatte. Mohammad war um keinen Deut von seinem Glauben
abgewichen und das Volk fühlte sich mehr denn eh von seinen Predigten angezogen,
Inzwischen hatte es sich herumgesprochen, was für Qualen der Prophet und seine Familie in dem Lager zu erleiden hatten. Soldaten, die die Muslime von weitem beobachteten, hatten es ihren Angehörigen nicht länger verschweigen können. Sie hatten ihnen berichtet, daß sich die Muslime nur mehr von Blättern und Pflanzenwurzeln ernährten und etliche erkrankt und ausgehungert seien. Viele Mekkaner empfanden Mitleid mit Mohammad und seiner Familie und ließen ihnen des Nachts heimlich Nahrungsmittel,
Decken und Kleider zukommen.
Drei Jahre lang waren die Muslime nun schon im Lager eingesperrt. Womit hatten sie diese Strafe verdient, fragten sich viele Mekkaner. Was hatte Mohammad überhaupt angerichtet? Das schlechte Gewissen ließ einige von ihnen nicht mehr los. Sie faßten Mut. Sie zogen zur Kaaba, um über das Unrecht zu berichten, das Mohammad und seiner Familie wiederfahren war. Dort schlössen sich ihnen weitere Mekkaner an. Gemeinsam beschlossen sie, in das Heiligtum einzutreten und den Erlaß zu zerreißen.
Er sollte ungültig gemacht werden, damit die Muslime ihr Zwangslager verlassen durften.
Was mußten sie aber staunen, als sie nach dem Dokument suchten. Der ganze Erlaß war von Termiten aufgefressen.
Nur vier Worte hatten die emsigen Insekten verschont:
"Das Glechnis derer, die sich Beschützer außer Allahs nehmen, ist wie das Glechnis von der Spinne, die sich ein Haus macht. Und das schwächster aller Häuser ist gewiss das Haus der Spinne wenn sie es nur begreifen würden!"
( Sure 29 'Al-Ankabut, Die Spinne )
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