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Die Glaubensgrundlagen im Islam
Einleitung:
Nachdem wir uns im ersten Vortrag über "Mensch und Glaube" im allgemeinen und philosophischen Sinn befasst haben, möchten wir in diesem Vortrag etwas näher auf die Glaubensgrundlagen eingehen.
Was muss ein Mensch glauben, damit er sich als Muslim bezeichnen kann? Was ist die Essenz dieser Religion? Hier möchte ich nur auf jene Grundlagen eingehen, die im Prinzip alle Muslime anerkennen, wobei ich auf die schwierige Frage der ‚Gerechtigkeit Gottes' nur kurz eingehe. Die Frage der ‚Führerschaft' (Al Imamah), die besonders für die Schiiten von großer Bedeutung ist, behandle ich in diesem Vortrag nicht.
Voraussschickend möchte ich einige Begriffe erklären, die vielleicht manchen Zuhörern nicht so vertraut sind und die immer wieder vorkommen.
ISLAM ist ein arabisches Wort und heißt übersetzt Unterwerfung, Hingabe an den Willen Gottes. Gott heißt auf arabisch ALLAH.
Ein MUSLIM ist demgemäß ein Mensch, der sich Gott und Seinem Willen ergibt bzw. sich Ihm unterwirft.
Das heilige Buch der Muslime ist der KORAN, der dem Propheten MUHAMMAD offenbart wurde und bis heute unverfälscht geblieben ist. Der Koran ist in arabischer Sprache geschrieben und es werden im Laufe des Vortrags einige Stellen daraus rezitiert werden, allerdings nur in deutscher Übersetzung. Wie wir alle wissen, sind Übersetzungen immer mangelhaft, aber man kann die Stelle auch im Original nachlesen.
Weiters werden auch Aussprüche und Taten des Propheten, die sogenannten HADITHE und SUNNAH angeführt bzw. auch Überlieferungen seiner reiner Nachkommen aus gesicherten Quellen.
Der heilige Koran und die Sunna des Propheten (seine Handlungen und sein Vorbild) sowie die Hadithe (Aussprüche), die uns überliefert sind, bilden also die Grundlage unseres religiösen Wissens und unseres Handelns und werden als Quellen herangezogen.
Zurück zu unserer Frage : Was glaubt ein Muslim?
Was sind die Grundprinzipien seiner Religion?
1. DER EINGOTTGLAUBE (TAUHID, MONOTHEISMUS):
Wir sagen in unserem Glaubensbekenntnis " Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt außer Gott" und weiter " Ich bezeuge, dass Muhammad der Gesandte Gottes ist."
Auf arabisch: "Aschhado a la illaha illalah wa aschhado anna Muhammadan rasulallah".
Ich bezeuge, dass es keinen Gott außer Gott gibt. Warum diese Formulierung?
Man könnte ja auch sagen: Es gibt nur einen Gott. Aber es heißt: "Es gibt keinen Gott außer Allah." Zuerst wird jede Gottheit negiert und dann auf Allah hingewiesen . Von dem arabischen Wort Allah kann man keine weibliche Form und Mehrzahl bilden, wohingegen man von dem deutschen Wort Gott sowohl den Plural - die Götter - als auch die weibliche Form - die Göttin - ableiten kann.
Der arabische Ausdruck Allah weist auf die Einzigartigkeit hin. Es gibt nur den Einen, den Einzigartigen. Wir gehen davon aus, dass es eine notwendige Existenz, eine erste und einzige Ursache all dessen, was existiert, gibt. Allah hat keinen Anfang und kein Ende, das heißt er ist ewig.
Das Prinzip des Eingottglaubens, Tauhid auf Arabisch, ist in der 112. Sure des Korans kurz und prägnant folgendermaßen zusammengefasst:
"Im Namen Gottes, des Allerbarmers, des Gnädigen
Sprich, Er ist Gott, der Einzige, der Unabhängige und Angeflehte.
Er zeugt nicht und wurde nicht gezeugt und keiner ist Ihm gleich".
Vielleicht kennen Sie die poetisierte Übersetzung Johann Wolfgang Goethes, der in Anlehnung an diese Sure folgendes schreibt:
"Gott ist nur Einer,
ein Einziger, Reiner,
hat nicht gezeugt, und Ihn gezeugt hat keiner."
Allah ist der Einzige, es gibt keinen Gott neben ihm. Gott ist allwissend und allmächtig. Er hat keinen Partner, keinen Helfer, keinen Sohn, keine Tochter. Er ist unabhängig - er braucht nichts, denn etwas zu brauchen, bedeutet Schwäche.
Die Propheten wurden geschickt, um diese Wahrheit zu verkünden und zum Glauben an den Einen Gott aufzurufen. Wenn wir die Geschichte der Menschheit betrachten, so stellen wir fest, dass dies kein leichtes Unterfangen war und ist. Obwohl es im Inneren des Menschen eine natürliche Veranlagung gibt, an eine höhere Macht zu glauben, so neigt doch der Mensch dazu, sich ein Abbild oder eine konkrete Vorstellung zu machen, Götzen und Statuen anzubeten, sich verschiedene Götternamen für bestimmte Erscheinungen, vor allem für die Naturgewalten auszudenken - denken wir an die griechische Mythologie. Da gab es verschieden Götter wie z. B. Apollo für das Licht, Poseidon für das Meer usw. So hat man versucht, die Naturgewalten zu erklären. Man hat zu ihren Ehren riesige Tempel erbauen lassen. Und heute? Heute beten wir keine Statuen oder Bilder an, aber wenn wir nachdenken, gibt es heute modernere Götzen. Wir müssen uns nur fragen, was für uns so wichtig ist, dass es höher steht als Gott. Vielleicht das Geld, die Macht, die Bequemlichkeit, die Technik, die Wissenschaft, die Medizin, die Waffen usw. und so fort.
Wenn wir die Geschichte betrachten, dann sehen wir, dass die Verkündigung des Eingottglaubens immer auf enormen Widerstand stieß. Warum ist das so?
Die Propheten waren doch meist einfache Leute aus dem Volk. Denken wir an den Propheten Isa (Jesus). Er hatte keine Waffen, er predigte nur. Warum mussten viele Propheten ihre Heimat verlassen und wurden von den Mächtigen verfolgt und bekämpft? Auch die Jünger Jesu wurden zum Teil gesteinigt und gekreuzigt. Was machte sie zu "gefährlichen" Personen? Warum haben die Mekkaner zur Zeit des Propheten Muhammad mit allen Mitteln versucht, ihn davon abzubringen, als Gesandter Gottes aufzutreten?
Die Mekkaner wollten ihren Reichtum und ihre Macht behalten und ihren selbstgefälligen Lebenswandel nicht aufgeben. Sie wollten ihre Sklaven weiter versklaven. Sie versuchten, den Propheten mit Geld, Reichtum und Macht zu bestechen. Prophet Muhammad reagierte auf derartige Versuche mit folgenden Worten:
"Und wenn man mir die strahlende Sonne in die Rechte und den leuchtenden Mond in die Linke gäbe, so würde ich dennoch diesen göttlichen Auftrag nicht unerfüllt lassen. Ich werde weitermachen bis mir Gelingen beschert sein wird oder aber Tod und Schahadah (Märtyrertum) mich erreichen. Sag ihnen, dass sie statt all ihrer Vorschläge nur ein Wort sagen sollen, nämlich ‚Es gibt keinen Gott außer dem Einzigen', auf dass sie errettet sein mögen."
Und er hat weiter zum Glauben an den Einen Gott aufgerufen und die Götzen im Hause Gottes, in der Kaaba, zerstört.
Von Propheten Ibrahim, dem Paradebeispiel eines Hanifen (Bekenner des Eingottglaubens) wissen wir, dass er durch eigenes Nachdenken zu der Erkenntnis gelangt ist, dass die vielen Statuen und Götzen, welche die Leute damals vor ca. 4000 Jahren angebetet haben, keinen Nutzen bringen.
Eines Tages betrat Prophet Ibrahim den großen Tempel, in dem die Götzenfiguren standen. Ibrahim sprach zu ihnen: "Warum esst ihr nicht? Und was ist los mit euch, dass ihr nicht sprecht?" Die Figuren aber regten sich nicht von der Stelle. Da schlug Ibrahim sie allesamt in Stücke, bis auf den größten, damit es so aussähe, als hätte dieser sie zerstört. Am nächsten Morgen entdeckte der Oberpriester die zerstörten Götzen und sie konnten sich schon denken, wer dies angerichtet hatte. Sie ließen Ibrahim zum Tempel holen und verhörten ihn. "Hast du unsere Götter zerschlagen?" Er entgegnete: "Aber wieso denn, der Größte von ihnen hat es getan. Das kann man doch deutlich genug sehen. Fragt ihn doch selbst, wenn er sprechen kann." Da sagten sie: "Du weißt doch, dass sie nicht sprechen!" Da sprach Ibrahim: "Verehrt ihr denn statt Allah Wesen, die nicht sprechen können? Die euch weder schaden noch nützen können? Habt ihr denn keinen Verstand?"
Ibrahim studierte auch die Wissenschaften seiner Zeit und betrachtete die Himmelskörper wie Sonne, Mond und Sterne, die damals als mächtigste Gottheiten angebetet wurden. Am Abend betrachtete er einen besonders hellen Stern. Nach einiger Zeit ging der Stern unter. Kurz darauf ging der Mond auf. Mit seinem Licht erleuchtete er die Nacht. Aber nach einiger Zeit ging auch er unter. Schließlich ging die Sonne auf. Das Volk hielt die Sonne für den größten Himmelskörper und glaubte, von ihr käme alles Leben auf der Erde. Aber als der Abend kam, ging auch die Sonne unter. Da erkannte Ibrahim mit Gewissheit, dass alle diese Himmelskörper nur Geschöpfe des wahren Gottes sind und sich nach seinen ewigen Gesetzen bewegen und nur auf seinen Befehl hin Licht und Wärme spenden und er sprach:
"Ich wende mich ab von allem Trug und vertraue allein auf Allah. Ich bin frei von allem, was die Menschen Allah beigesellen und frei von der Furcht vor falschen Götzen, die in Wirklichkeit keine Macht haben. Ich wende mich mit ganzem Herzen an ihn, der Himmel und Erde geschaffen hat."
Vielleicht sollten wir wie der Prophet Ibrahim die Natur betrachten- welch wunderbare Ordnung! Der heilige Koran spricht immer wieder von sogenannten "Zeichen", von den Zeichen Gottes und wir werden aufgefordert, über die Zeichen nachzudenken und so mit Hilfe unserer Vernunft zu der Überzeugung gelangen, dass hinter der Schöpfung ein Schöpfer stehen muss. Wir sollen die Natur erforschen. Die Wissenschaft steht grundsätzlich nicht im Widerspruch zur Religion ebenso wenig wie Glaube und Vernunft. Glaube ist nicht nur eine Herzenssache sondern auch eine Sache der Vernunft.
Allah ist die Existenz im wahrsten Sinn des Wortes. Er existiert von sich aus, er ist auf nichts angewiesen. Eine Pflanze z. B. braucht zum Leben Wasser, Sonne und Nährstoffe. Ein Tier braucht Nahrung und einen gewissen Lebensraum- Gott aber braucht nichts. Er ist auf keine Bedingungen angewiesen. Er ist immateriell, er steht über der Materie. Man kann ihn nicht in Raum und Zeit messen. Er hat keinen Körper, denn ein Körper braucht einen Raum. Er kann nicht Fleischwerden, denn dies braucht Körper und Raum. Deshalb kann er auch nicht gesehen werden. Er ist die Ursache für alles außer Ihm. Er hat keine Mängel. Er ist allwissend und allmächtig. Er hat keinen Partner, keinen Sohn, keine Tochter, keine Frau. Er braucht nichts, denn etwas zu brauchen, bedeutet Schwäche. Gott braucht auch die Menschen nicht, der Mensch hingegen braucht Gott.
In seinem Innersten ist der Mensch stets auf der Suche nach seinem Ursprung. Wir suchen Ihn - das Absolute, das Ewige, das Unvergängliche. Wenn wir Ihn, den Ursprung und das Ziel verloren haben, dann sind wir unruhig. Wir streben immerfort nach Dingen wie Geld, Macht, Karriere- aber im Innersten bleiben wir unzufrieden. Wir haben vielleicht schon zwei Autos und Häuser, aber wir sind noch nicht am Ziel, weil wir das wahre Ziel, nämlich Gott , aus den Augen verloren haben.
Was ist eigentlich das Ziel und der Sinn unserer Existenz?
Der heilige Koran sagt dazu in Sure 17, Vers 44:
"Die sieben Himmel und die Erde und alle ihre Bewohner preisen ihn. Es gibt überhaupt nichts, was Ihn nicht lobpreisen würde. Aber ihr versteht ihr Preislied nicht. Er ist gnädig und bereit zu vergeben."
In Sure 16, Vers 48 lesen wir:
"Haben sie denn nicht gesehen, wie die Schatten dessen, was Gott an Dingen geschaffen hat, nach rechts und nach links wandern indem sie sich demütig vor Gott niederwerfen. Vor Gott wirft sich alles in Anbetung nieder, was im Himmel und auf Erden ist, jedes Tier und auch die Engel. Und sie sind nicht zu hochmütig dazu."
Die Schöpfung und damit auch der Mensch als Teil der Schöpfung wurden dazu geschaffen, Gott anzubeten mit allem, was sie tun. Jede Handlung und Tätigkeit soll zu einem Gottesdienst werden.
Ein Mensch, der trotz seines Wissens Gott nicht anbetet, kann sich aus der Sicht des Korans dem Ziel der Schöpfung nicht nähern und auch nicht glücklich werden.
Der Mensch kann sich als einziges Wesen der Schöpfung frei entscheiden Gott anzuerkennen, sich ihm zu unterwerfen oder nicht. Der Mensch kann hochmütig sein und gegen Gottes Ordnung aufbegehren, ja sogar die Schöpfung zerstören. Gott über alles zu stellen und nichts so wichtig zu nehmen wie Gott heißt, ein wahrer Muslim (Gottergebener) zu sein.
Wenn ich eine Entscheidung treffen muss, soll ich immer denken, was will Gott von mir, was ist bei Gott gut und was ist bei Gott schlecht. Er ist das Maß aller Dinge. Was bei Gott gut ist, ist letztlich auch gut für mich, da der Mensch in die göttliche Ordnung eingebettet ist.
Allein durch das bloße Hersagen dieses Satzes "Es gibt keinen Gott außer Allah" wird nicht die Revolution ausgelöst, die diesem Satz innewohnt.
Märtyrer Motahari schreibt in seinem Buch "Das Ziel des Lebens" folgendes über das Prinzip des Glaubens an den Einen Gott:
"Tauhid (das Überzeugtsein von dem Eins-Sein Gottes) ist gleich dem Wasser, das die Fähigkeit besitzt, die Wurzeln und Tiefen aller Gedanken zu tränken und zu befriedigen oder gleich dem Blut zu sein, welches alle Glieder, alle Zellen und Organe des Körpers mit Nahrung versorgt."
Allein über diese Thema sind unzählige Bücher geschrieben worden und es gäbe noch viel zu sagen. Wir kommen jetzt zur nächsten Säule des Glaubens.
2. DER GLAUBE AN DIE GERECHTIGKEIT GOTTES:
Absolute Gerechtigkeit können wir uns schwer vorstellen. Wir wissen wie schwierig es ist, gerecht zu sein, z. B. in der Familie.
Die Gerechtigkeit Gottes steht in engem Zusammenhang mit dem Ziel der Schöpfung, ist sozusagen eine logische Konsequenz . Wir definieren Gerechtigkeit folgendermaßen:
Gerechtigkeit ist, mit jedem Ding so zu verfahren, wie es dem Wesen des Dinges entspricht.
Man kann z. B. ein Kind oder die Taten eines Kindes nicht genauso beurteilen wie die Taten eines Erwachsenen, wenn es zum Beispiel etwas kaputt macht.... Dem Wesen einer Blume entspricht es, zu wachsen, zu blühen und zu verwelken. Dem Wesen des Menschen entspricht es, Gott zu dienen und Gutes zu tun - dafür hat Gott ihn geschaffen.
So wie der Koran sagt:...."Und ich habe die Menschen und die Dschinn nur dazu geschaffen, mir zu dienen...."
Wenn also Gott die Menschen dazu erschaffen hat, Ihm zu dienen und Gutes zu tun, dann wäre es doch ungerecht, die Menschen, die danach handeln dafür nicht zu belohnen bzw. die, die Gutes tun genauso zu behandeln wie diejenigen, die Schlechtes tun.
Aus der Gerechtigkeit Gottes folgt ein weiteres Grundprinzip der islamischen Weltanschauung.
3. DER GLAUBE AN DIE PROPHETEN:
Es entspricht der Gerechtigkeit Gottes, dass er zu unserer Rechtleitung Propheten geschickt hat. Der Mensch kann über diese Welt hinaus nichts erkennen. Dieses Wissen muss ihm durch die Propheten gegeben werden. Die Propheten führen uns auf dem Weg zu Gott und sind selbst unser Vorbild. Im Islam wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die Gesandten Allahs Menschen wie wir sind, genauso aus Fleisch und Blut. So heißt es in Sure 3, Vers 144:
"Und Mohammad ist nur ein Gesandter. Vor ihm hat es schon Gesandte gegeben.."
Gott sandte für alle Völker Propheten und der letzte ist Mohammad - er ist das Siegel der Kette der Propheten.
Das Prophetentum wird inschallah noch in einem eigenen Vortrag behandelt, deshalb begnügen wir uns derzeit mit diesen kurzen Ausführungen und kommen zum 4. Grundprinzip.
4. DER GLAUBE AN DAS JENSEITS UND AN DIE AUFERSTEHUNG
Wir haben bereits festgestellt, dass der Sinn des Lebens darin besteht, Gott näher zu kommen. Welchen Sinn hätte dieses Streben, wenn es keine Rückkehr zu Gott, unserem Schöpfer geben würde. Der heilige Koran drückt es folgendermaßen aus:
"Wäre der Tag der Auferstehung und des Jüngsten Gerichts nicht, so wäre die Schöpfung sinnlos."
Die Muslime glauben an ein ewiges Leben. Sie glauben nicht nur an das, was sie jetzt sehen sondern auch an eine andere, noch unsichtbare Welt, die nach dem Tod folgt.
Alle Propheten haben aufbauend auf dem Bekenntnis zum Einen Gott die Menschen auf die Auferstehung hingewiesen. Sie haben die Menschen darauf aufmerksam gemacht, dass sie ihrem Herrn begegnen werden.
In Sure 2, Vers 154 heißt es:
"Und sagt nicht von denen, die um Gottes Willen getötet worden sind, sie seien tot. Nein, sie sind vielmehr lebendig, nur begreift ihr es nicht."
Hier sind die Märtyrer gemeint, die eine sehr hohe Stellung bei Gott erreicht haben, weil sie ihr Leben geopfert haben. Für uns sind sie gestorben, ihre Körper sind tot, aber in Wirklichkeit leben sie.
Würden wir rein materialistisch denken, würde unser Leben mit einem Häufchen Erde oder Asche enden. Der Körper stirbt und zerfällt, aber unser Geist, unsere Seele lebt weiter.
Eine zentrale Rolle im Verständnis dieses Themas spielt dabei der Tod.
Was ist eigentlich der Tod? Was sagt der heilige Koran dazu?
Der Koran gebraucht das Wort "Tawaffa" für den Tod, was soviel wie ‚Empfang' bedeutet. In dem Augenblick, in dem der Mensch stirbt, wird er den Engeln übergeben, die ihn empfangen. Demnach bedeutet Tod nicht Vernichtung und Zerstörung. Er ist ein Übergang von einer Welt in die andere, von einem Zustand in einen anderen, wo das Leben in anderer Form fortgesetzt wird.
Imam Hassan, der Enkelsohn des Propheten sagt:
"Habt Geduld und Beharrlichkeit. Der Tod ist nur eine Brücke, die euch von Leid und Schmerz hinüberführt zur Glückseligkeit, Überfluss und den endlosen Himmelsgefilden.
Der Tod ist nur eine Brücke, nicht das Ende. Ein Übergang in eine andere Welt. Der Tod ist die Trennung der Seele vom Körper. Der Körper stirbt und wird zu Erde.
Viele Koranstellen weisen darauf hin, z. B Sure 20 Vers 55 : "Aus Erde haben Wir euch erschaffen und zu Erde werden Wir euch zurückkehren lassen, und aus ihr bringen Wir euch abermals hervor."
Sure 2 Vers 28: "Ihr wart doch ohne Leben und Er gab euch Leben, und dann wird Er euch sterben lassen, dann euch dem Leben wiedergeben und ihr kehrt dann zu Ihm zurück."
Unser diesseitiges Leben ist nichts als ein kurzer Aufenthalt an einem Ort, aber eines Tages müssen wir die Reise zu einem anderen Ort, dem Jenseits antreten. Unser Reiseziel ist der Tag der Wiederauferstehung und das ewige Leben im Paradies.
Dazu heißt es in Sure 23 Vers 115: "Glaubt ihr denn, Wir hätten euch in Sinnlosigkeit geschaffen, und dass ihr nicht zu uns zurückgebracht würdet?"
Man könnte einwenden, dass noch niemand von dieser Reise zurück gekommen ist, der uns davon berichten könnte. Die Muslime glauben an den Koran, in dem in vielen Abschnitten darauf hingewiesen wird, was uns nach dem Tod erwartet. Die Periode im Grab, die Auferstehung, die Abrechnung und das Leben danach im Paradies oder in der Hölle.
Der Tag der Auferstehung hat verschiedene Bezeichnungen wie z. B. der Tag der Versammlung, der Tag der Abrechnung, der Tag, an dem in die Posaune geblasen wird, der Tag der Erschütterung usw.
Dieses großartige Ereignis wird mit dem Erlöschen von Sonnen und Sternen zusammenfallen. Das Meer wird aus den Ufern treten und die Berge auseinander bersten... Der jüngste Tag betrifft die ganze Welt. Die Welt wird vernichtet und danach wieder neu aufgebaut werden und besteht dann für immer. Jeder wird seine gerechte Belohnung oder Bestrafung bekommen. Am Tag der Auferstehung wird Gott unsere Körper wieder zusammensetzen, es ist für ihn ein Leichtes. Der Engel Israfil wird in die Posaune blasen und die Auferstehung ankündigen. Die Menschen werden aus ihren Gräbern hervorkommen und sich versammeln. Es wird genau über die Taten der Menschen abgerechnet und es wird niemandem Unrecht getan Das Buch, in dem die Taten von Engeln, die auch Schreiber genannt werden, aufgezeichnet wurden, wird vorgelegt. Alle Menschen müssen über eine Brücke laufen. Diese Brücke ist symbolisch ausgedrückt so schwach und dünn, dünner als ein Haar und schärfer als ein Schwert. Das Ende dieser Brücke ist das Paradies. Diejenigen, die diese Brücke überqueren können, werden ins Paradies gelangen.
Zwischen dieser Welt und der Existenzform im Jenseits besteht ein Zusammenhang, der auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung beruht. Ein bekannter Ausspruch des Propheten lautet:
"Diese Welt ist ein Acker für die andere Welt." Was wir in dieser Welt säen, werden wir in der anderen Welt ernten.
Märtyrer Motahari schreibt in seinem Buch "Das ewige Leben" folgendes:
"Gäbe es keine Auferstehung, keine unvergängliche Welt, so besäße diese Welt keine Endstation. Die Schöpfung wäre "eitel, zwecklos, keiner Beachtung wert".
Die Propheten sind dazu erschienen uns von diesem fundamentalen Fehler abzuhalten und uns die Augen für eine Tatsache zu öffnen, die unser Leben, wenn sie unserer Beachtung entgeht, bedeutungsleer und absurd macht, sodass sich Sinnlosigkeit in unseren Geist einschleicht und sich dort einnistet, was uns selbst zu unbrauchbaren, bedeutungslosen Geschöpfen ohne Lebensziel werden lässt. Eine der Wirkungen des Glaubens und der Überzeugung vom Tag des Gerichts ist der, dass er uns aus dem Zustand der Nutzlosigkeit und des Nicht- Seins errettet und uns, unseren Gedanken und unserem Leben Sinn verleiht."
Wie wir am besten unser Ziel erreichen können und wie wir uns darauf vorbereiten können, sodass wir eines Tages gut gerüstet sind für die Reise ins Jenseits darauf werden wir inscha'allah in der nächsten Vortragsreihe über Gebote im Islam genauer eingehen.
Wassalam alaikum wa rahmatullahi wa barakatuh
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